Angesichts des Wirecard-Skandals organisiert der Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments eine eigene Anhörung. Die Zusammenarbeit zwischen dem Europäischen Parlament und dem Wirecard-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages wurde von anderen Fraktionen, insbesondere von der EVP, vertreten durch Markus Ferber (CSU), abgelehnt.
Dr. Gunnar Beck, Wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD im EU-Parlament, ist enttäuscht: „Das EU-Parlament hat die Gelegenheit verpasst, seine Zusammenarbeit mit dem deutschen Untersuchungsausschuss, der über weitreichende Zuständigkeiten verfügt, zu verbessern. Da der Ausschuss Einblicke in vertrauliche Dokumente ermöglicht, wäre es folgerichtig gewesen, eng mit ihm zusammenzuarbeiten. “
Kay Gottschalk, Vorsitzender des Wirecard-Untersuchungsausschusses im Bundestag, hat kein Verständnis für dieses Vorgehen: „Eine traurige Entscheidung, die weder für Kooperation noch für echten Aufklärungswillen steht seitens des Europäischen Parlaments steht. Ich hätte gerne aus Sicht der Abgeordneten des Deutschen Bundestag den Sachverhalt erklärt, und einen Zwischenstandsbericht abgegeben, damit ich denn Kollegen im EP helfen kann und andere Mitgliedsstaaten nicht dieselbe Fehler begehen. Fazit: Eine schlechte Entscheidung für den Finanzplatz Europa.“
Anstatt mit dem Bundestag zusammenzuarbeiten, unterstützte der Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments den Vorschlag der EVP, der auch CDU/CSU angehören, einen Vertreter einer deutschen Lobbyorganisation einzuladen. Beck hierzu: „Es ist kein Geheimnis, dass die Union im EU-Parlament und insbesondere ihr Wirtschaftspolitischer Sprecher Markus Ferber eng mit Lobbygruppen verbunden sind. Ob ein Lobbyist mehr in diese Diskussion einbringen kann als der Untersuchungsausschuss des Bundestages, bleibt indes fraglich. Ich hoffe, und gehe davon aus, dass Lobbyisten nicht auf dieselben sensiblen Informationen zugreifen können wie der Untersuchungsausschuss. Auch, wenn der Union das Gegenteil zuzutrauen ist.“