Die Europäische Union möchte Obdachlosigkeit bis zum Jahre 2030 beenden. Die Mitgliedsstaaten sollen unter anderem sozialen Wohnungsbau und NGOs zu finanzieren, Obdachlosigkeit entkriminalisieren, Obdachlosen einen ständigen Zugang zu Notunterkünften gewährleisten und sie bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt unterstützen.
Guido Reil, Sozialpolitischer Sprecher unserer Delegation im EU-Parlament, hat bezüglich dieser Pläne gemischte Gefühle:
,,Sozialpolitik ist nicht Sache der EU. Sie hat den Mitgliedsstaaten nicht zu diktieren, wie sie ihre Sozialpolitik auszugestalten haben. Gerade im Hinblick auf das Problem der Wohnungsknappheit gibt es verschiedene volkswirtschaftliche Instrumente, die zu seiner Lösung eingesetzt werden können – sozialer Wohnungsbau ist hierbei nicht das einzige. Und dass mit Zuwendungen an NGOs häufig kriminelle Strukturen gestärkt werden, ist mittlerweile eine Binse. Auch hier sollte sich die EU mit Empfehlungen zurückhalten.
Dennoch sind einige der EU-Vorschläge im Kampf gegen die Obdachlosigkeit sinnvoll: Der Ansatz des ,Housing First‘, der in Finnland dazu geführt hat, dass die Wohnungslosigkeit in zwölf Jahren um 38 Prozent zurückgegangen ist, wäre auch auf Deutschland übertragbar.
Obdachlose und Wohnungslose sind mit multiplen Problemlagen konfrontiert. Es zeigt sich, dass sie diese besser lösen, wenn sie in einem ersten Schritt voraussetzungslos wohnen können. Eine Dach über dem Kopf ist der erste Schritt zur Besserung. In Deutschland hingegen wird eine dauerhafte Bleibe an strenge Konditionalitäten geknüpft, die häufig nicht erfüllt werden können, wodurch das Problem nur verschärft wird. Das finnische Konzept rentiert sich auch volkswirtschaftlich: Laut Berechnungen sinken die Kosten pro Wohnungslosen durchschnittlich um 15.000 Euro pro Jahr. Im Kampf gegen die Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit können wir also von den Finnen lernen.“
Sehen Sie hier unsere Talkshow mit Guido Reil zum Thema Obdachlosigkeit: https://m.youtube.com/watch?v=xr4-AYFMbl4…
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