Unser Delegationsleiter Prof. Dr. Jörg Meuthen äußert sich zum Impfstoffdebakel der EU und der Bundesregierung.
Man schätzt, dass in den verschiedenen Ländern Europas ca. 30-50 % der Menschen, je nach Land unterschiedlich, einer möglichen Impfung gegen das Coronavirus skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen.
Das ist, um das zu Beginn meiner heutigen Kolumne deutlich klarzustellen, auch das gute Recht dieser vielen Millionen Menschen. Natürlich stellt jede Impfung einen gewissen Eingriff in den menschlichen Körper dar, und damit muss jeder Einzelne das Für und Wider – möglichst natürlich auf einer breiten Informationsbasis – für sich abwägen.
Sofern 30-50 % der Menschen eine solche Impfung ablehnen, bedeutet das aber im Umkehrschluss, dass sich 50-70 % der Bürger impfen lassen wollen. In Zahlen ausgedrückt, dürften das also bis zu 300 Millionen Menschen in der EU sein, vielleicht sogar noch einige mehr.
Für diese Menschen, so beteuerte man auf Seiten der EU seit vielen Monaten, wolle man frühzeitig ausreichende Mengen des Impfstoffs (der für jeden Impfwilligen zweifach benötigt wird) bereitstellen.
Auch die deutsche Bundesregierung, allen voran natürlich die Endlos-Kanzlerin und ihr gelernter Bankkaufmann im Amt des Bundesgesundheitsministers, betonten stets unisono, dass aus ihrer Sicht der Schlüssel zur Überwindung der Coronakrise eine möglichst weitgehende Impfung der Bürger sei.
Die beiden letztgenannten haben sogar einen Eid geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden und ihre Kraft dem Wohle dieses Volkes zu widmen – nicht dagegen, sich um die Interessen (auch die Impf-Interessen) anderer EU-Staaten zu kümmern.
Und auch nicht, wie Johannes Boie, Chefredakteur der „Welt am Sonntag“, in einem sehr lesenswerten Beitrag anmerkt, selbige Kraft zur Vermeidung von Debatten in der Europäischen Union einzusetzen.
Herr Boie brandmarkt in seinem Beitrag glasklar – und in für deutsche Medien geradezu erstaunlicher Direktheit – das Versagen von Frau Merkel und Herrn Spahn bei der Beschaffung des von vielen Millionen Bürgern in Deutschland herbeigesehnten Impfstoffes.
Er erinnert daran, wie Merkel und Spahn erst jüngst im Bundestag voller Emotionalität darauf verwiesen, dass es neben dem wirtschaftlichen Schaden vor allem um Leid und Tod ginge, die zu vermeiden seien. Allerdings gibt es da, auch darauf weist Herr Boie hin, ein „kleines“ Problem – es kommt nämlich derzeit überhaupt kein Impfstoff mehr an in Deutschland.
Der Blick beispielsweise nach Israel zeigt, was alles möglich ist, wenn sich eine Regierung um eine wichtige Angelegenheit wirklich kümmert und nicht nur wohlfeile Sprechblasen in die bereitwillig hingehaltenen GEZ-Mikrofone diktiert: Dort impft man nämlich derzeit an jedem einzelnen Tag (!) mehr Menschen als Deutschland bis jetzt insgesamt.
Das geht natürlich nur, wenn man sich rechtzeitig bei den Herstellern entsprechende Mengen an Impfstoff besorgt hat. Und genau da liegt das (erneute, zum wievielten Mal eigentlich?) Versagen von Merkels Regierung der „ruhigen Hand“ – eine dreiste Beschönigung der eigenen Tatenlosigkeit, Wurschtigkeit und zu Teilen schlicht auch Faulheit.
Das gnadenlose Ergebnis für all diejenigen Bürger, die dringend auf ihre Impfung warten: Die meisten von ihnen werden erst in der zweiten Jahreshälfte drankommen, möglicherweise erst im Dezember – also in einem knappen Jahr.
Wer das nicht glauben kann in Anbetracht propagandistisch anmutender Bilder in GEZ-Nachrichten von angeblich „startklaren Impfzentren“ (startklar sind sie schon, nur eben ohne Impfstoff, wie der oben genannte Chefredakteur süffisant anmerkte) und eines Kanzleramtsministers Helge Braun, der aufgrund seiner ärztlichen Ausbildung im weißen Arztkittel vor laufender Kamera einigen Probanden selbst eine Impfung verabreichte, der lese es bei dieser Auflistung des Regierungsversagens der Bildzeitung nach:
Hauptfehler dieser EU-gläubigen Regierung: Man verließ sich (wie immer seit dem Beginn von Merkels Kanzlerschaft der „ruhigen Hand“) darauf, dass Brüssel es schon richten werde.
Brüssel aber richtet gar nichts, außer Unheil an.
Monatelang blieb man nämlich unter der beratersüchtigen und doch so beratungsresistenten Ex-Bundeswehr-Verheererin von der Leyen untätig.
Während sich andere Staaten dieser Welt bei den verschiedenen Herstellern angemessen eindeckten (und sich damit natürlich auch zeitlich priorisierte Lieferungen sicherten), wartete man in Brüssel erstmal gemütlich ab. Wozu auch schnell handeln als EU-Verantwortlicher – man selbst wird im Zweifel immer in den Genuss einer frühen Impfung kommen, da man sich dann einfach für systemrelevant und besonders gefährdet erklärt.
Dazu passt dann auch, dass man es in der seit Jahrzehnten von Frankreich dominierten EU (eine Dominanz, die die deutsche Regierungspolitik seit jeher schulterzuckend und tatenlos hinnimmt) nicht ertragen konnte, dass die erneute Rettung der EU aus Deutschland und nicht aus Frankreich kommen sollte: Eine Bestellung des offensichtlich hochwirksamen Wirkstoffes der deutschen Firma BioNTech fand nämlich monatelang nicht statt.
Stattdessen bestellte man im Spätsommer beim französischen Sanofi-Konzern und bei der britisch-schwedischen Firma AstraZeneca insgesamt 600 Millionen Impfdosen. Erst im November, als die vermutlich hohe Wirksamkeit des BioNTech-Wirkstoffes international allen längst bekannt war, bequemte man sich zu einer ersten, vergleichsweise geringen Bestellung – ein deutlich höheres, ausreichendes Angebot des deutschen Unternehmens schlägt man in Brüssel aus.
Dumm nur, dass der französische Sanofi-Konzern dann im Dezember leider einräumen musste, dass sein angekündigter Impfstoff durch die dritte und letzte klinische Testphase durchgefallen ist und man nun von vorne anfangen muss, und auch bei AstraZeneca waren bereits im Herbst Probleme sichtbar geworden.
So bricht dann die Impfstrategie der EU zusammen – und mit ihr das geradezu törichte Vertrauen dieser Bundesregierung in die von der Leyen-EU, obwohl Merkel und ihre Laienspielschar aus den vergangenen Jahren um die Unfähigkeit sowohl der EU als auch von Frau von der Leyen höchstpersönlich wissen musste.
Ernüchtert und durchaus auch wütend stellt der bekannte FOCUS-Kolumnist Jan Fleischhauer daher fest, was für ihn und 45 Millionen andere Deutsche mit angeblich geringem Risiko nun offiziell angekündigt wird:
„Impftermin: Dezember 2021. Ich dachte im ersten Moment, ich hätte mich verlesen, als ich das sah. Aber so steht es da: ‚Risiko niedrig. 45 Millionen Menschen. Ab Dezember 2021‘. Ich glaube, vielen Deutschen ist nicht klar, wie lange es noch dauern wird, bis sie wieder einigermaßen sorglos leben können. […] Sollte sich die Geschichte bewahrheiten, heißt das: Wir brauchen noch drei weitere Lockdowns, um die Lage unter Kontrolle zu behalten, während wir mit Neid nach Amerika oder Kanada sehen, wo die Bevölkerung dann längst durchgeimpft ist.“
Drei weitere Lockdowns, nur um den mittlerweile bei linksgrünen EU-Befürwortern so gefürchteten „nationalen Alleingang“ (gefürchtet, da er ja die Unfähigkeit der EU und die Vorteile des Nationalstaats offenlegen könnte) zu vermeiden.
Merkels Untätigkeit, dazu die EU-Gläubigkeit der von ihr verantworteten Regierung und schließlich die Unfähigkeit genau dieser EU werden daher nun leider viele Menschenleben in Deutschland kosten – und massiv zum Ruin unserer Wirtschaft beitragen. Das ist die bittere Realität.
Allerhöchste Zeit daher für das Ende der naiven, linksgrünen EU-Gläubigkeit in Deutschland. Allerhöchste Zeit, sich endlich effizient um die Interessen unseres eigenen Landes zu kümmern. Allerhöchste Zeit für die AfD.