Dr. Sylvia Limmer analysiert ausführlich die Fehler der Impfstrategie der EU:
,,Nach der bedingten Impfstoff-Zulassung per Notverordnung des deutsch-amerikanischen Gespanns Biontech/Pfizer durch die Kommission am 21. Dezember 2020 erhielt nun ein zweiter Impfstoff der amerikanischen Firma Moderna zum 4. Januar die bedingte Zulassung in der EU.
So weit, so gut, könnte man meinen. Aber das ist mitnichten so. Denn die Mär von den angeblich 1,3 Milliarden verfügbaren Impfdosen, die nur durch das angebliche Verhandlungsgeschick der EU-Kommission gesichert werden konnten – so will es die Erzählung der Möchtegern-Impfdosen-Heldin von der Leyen -, wird auch durch Wiederholung nicht wahr. Tatsächlich waren bis vorletzten Freitag gerade einmal 480 Millionen Impfdosen für das laufende Jahr für die 446 Millionen Bürger in den 27 EU-Mitgliedsstaaten sicher. Also für gerade einmal die Hälfte aller EU-Bürger, berücksichtigt man, dass erst mit einer zweiten Impfung der gewünschte Impfschutz eintritt.
Und auch diese Bestellungen waren erst am 10. November 2020 (Vertragsabschluss mit Biontech/Pfizer über 300 Millionen Dosen) und am 22. November 2020 (Vertragsabschluss mit Moderna über 160 Millionen Impfdosen) in trockenen Tüchern. Beide Firmen wären übrigens sowohl Willens als auch in der Lage gewesen, wesentlich mehr Impfstoff zu liefern, als vertraglich vereinbart wurde. Biontech/Pfizer hatte der EU-Kommissionspräsidentin bereits im September 500 Millionen Impfdosen angeboten.
Aber die deutsche Strategiekanone, die ihren Job ganz ohne Wahlstress antreten konnte, und ihre Laien-Truppe verfolgten offensichtlich ganz eigene Pläne. Zwar heißt es in der bereits im Juni 2020 herausgegebenen Impfstrategie: ,Durch jeden Monat, den der Impfstoff früher bereitgestellt werden kann, werden zahlreiche Menschenleben gerettet, Arbeitsplätze bewahrt und Milliarden von Euro eingespart.‘ Aber orientiert hat man sich an diesem Motto nicht.
Stattdessen hat man hinter den Kulissen vor allem politisch agiert, denn man hört, den Osteuropäern sei es hauptsächlich um die Preisfrage gegangen, weshalb die mRNA-Impfstoffe, die nun als einzige die bedingte Zulassung erhalten haben, ausschieden. Und der Spiegel berichtet von einem Insider, der angibt, dass eine größere Bestellung bei Biontech/Pfizer an einer Intervention aus Paris gescheitert sei: mehr als die vom französischem Sanofi bei einem deutschen Biotech-Unternehmen bestellen? Mon dieu, ausgeschlossen! Damit entlarvt sich die vorgebrachte Entschuldigung, man hätte ja nicht im Vorfeld wissen können, wer am Ende das Rennen bei den Impfstoffen macht, selbst. Erstens: hätte man, wenn man denn gewollt hätte. Zweitens: mit einer echten Strategie wäre diese Entscheidung gar nicht nötig gewesen.
Zu Erstens: Bereits im Juni hieß es in der Impfstrategie der Kommission, dass Biontech mit dem ,am weitesten fortgeschrittenen Impfkandidaten‘ eine Finanzierung in Höhe von 100 Millionen Euro zum Ausbau seiner Produktionskapazitäten durch den Europäischen Fonds für Strategische Investitionen (EFSI) erhalten wird. Man wusste also ganz genau, wer aussichtsreicher Kandidat war.
Zu Zweitens: Eine vernünftige Strategie hätte angesichts der Tatsache, dass man 750 Steuermilliarden in einem Corona-Wiederaufbaufonds auszugeben bereit ist, darin bestanden, einfach von jedem der Anbieter, mit dem man ernsthaft im Gespräch war, die insgesamt benötigten Impfdosen zu ordern, die nötig sind, um etwa 70 Prozent der Bürger in der EU zu impfen. Kosten von round about 35 Milliarden Euro wären so entstanden. Die Abschläge, die man je nach Lieferbarkeit hätte vereinbaren können, noch nicht eingerechnet. So gesehen hat Daniel Stelter, seines Zeichens Ökonom, völlig Recht, wenn er in einem Gastbeitrag im Focus konstatiert, dass es für Deutschland billiger gewesen wäre, die 35 Milliarden Euro Brüssel einfach zu schenken, als in die unbegrenzte Schuldenhaftungsfalle der Corona-Bonds zu tappen.
Im Dezember war deshalb der wackere Bankkaufmann Jens Spahn gezwungen, kleinlaut zuzugeben, dass anfangs nur 400.000 Impfdosen zur Verfügung stünden, bis März dann 11 bis 13 Millionen. Damit lassen sich bahnbrechende, nein, Pandemie-wellenbrechende 13 bis 16 Prozent der deutschen Bevölkerung impfen. Und weil die deutsche Regierung nur alternativlos, und nicht politisch sinnvoll handlungsfähig ist, verreckt im dem Impfdebakel folgenden Lockdown – absolut vermeidbar – ein Gutteil unserer Wirtschaft, die Einzelhändler, die Gastronomen, die Frisöre, und, und, und.
Das kommt davon, wenn man aus der deutschen Politik abgeschobene Politiker in Brüssel ,machen lässt‘. Und so häuft Deutschland nach Ansicht führender Ökonomen und Wirtschaftsinstitute, darunter das Institut für Weltwirtschaft in Kiel, Schulden von 400 (!) Milliarden Euro an, vernichtet Existenzen und geht auch sonst den Bach runter. 400 Milliarden Euro, das sind umgerechnet auf 2020 und 2021 vier Milliarden Euro pro Woche. Und das ist ,nur‘ der wirtschaftliche Schaden.
Kleine Anmerkung am Ende: Hier ging es mir AUSSCHLIESSLICH um die Art und Weise, wie der politische Kungelverein in Brüssel in altbekannter und zentralistisch-verlogener Manier behauptet, dass nur durch das schnelle Handeln der EU-,Elite‘ die Versorgung mit einem sicheren und wirksamen Impfstoff gewährleistet sei. Das Gegenteil ist der Fall, wie fast immer, wenn Brüssel seine Finger im Spiel hat. Es ging mir explizit NICHT darum, kritiklos einem per Notzulassung bedingt zugelassenen Impfstoff das Wort zu reden.“