Lars Patrick Berg, unser Außenpolitischer Sprecher im EU-Parlament, äußert sich zur Situation in Weißrussland, zu der heute ein EU-Sondergipfel abgehalten wird, wie folgt:
„Die komplexe Situation in Weißrussland kann weder in Washington, noch in Brüssel, noch in Moskau geklärt werden, sondern ausschließlich in Minsk.
Ich fordere den Europäischen Rat auf, jede Intervention in die inneren Angelegenheiten Weißrusslands zu unterlassen, um das derzeit stabile Gleichgewicht mit Russland nicht zu gefährden. Andererseits darf Minsk auch nicht in den russischen Herrschaftsbereich fallen, da Weißrussland sonst zu einem Pulverfass zu werden droht.
Lukaschenko mag außenpolitisch betrachtet lange Zeit Stabilität gegeben haben, auch weil er auf der Unabhängigkeit seines Landes beharrte, das eine Pufferzone bildet. Dies war und ist durchaus nicht im Interesse Moskaus, weshalb er auch nur schwerlich als Marionette Putins bezeichnet werden kann.
Gegen sein eigenes Volk, das nun zu Hunderttausenden auf die Straße geht, wird er mit Knüppeln und Stiefeln auf Dauer nicht ankommen können. Jeglicher Versuch hierzu führt nur zu einer Radikalisierung der Demonstrierenden. Ihr Protest ist Ausdruck einer Unzufriedenheit, die sich auf die ökonomische Stagnation und die Herrschsucht Lukaschenkos zurückführen lässt.
Der Konflikt in Weißrussland ist nicht unser. Er droht aber zu unserem Konflikt zu werden, wenn wir meinen, ihn von Berlin oder Brüssel aus lösen zu können. Das können wir nicht. Die Lösung liegt in Minsk und bei den Bürgern dieses tollen Landes. Wir können sie in ihrem Streben nach Souveränität, Prosperität und Gerechtigkeit nur unterstützen, ohne oberlehrerhaft Rezepte für eine Nachahmungspolitik in unserem Sinne zu verteilen.“